GfWM Kompetenzmodell für Wissensmanagement

Kaum ist die Phase für die öffentliche Kommentierung des Normentwurfs für Wissensmanagementsysteme, der momentan für den HR-Bereich der Internationalen Organisation für Normung (ISO) entwickelt wird, vorbei, veröffentlicht die Fachgruppe 'GfWM Wissensmanagement Zertifikat' der Gesellschaft für Wissensmanagement e.V. (GfWM) ihrerseits den Entwurf für ein 'Wissensmanagement-Kompetenzprofil' und bittet auch, bis zum 2. März 2018, um ihre Kommentare.

Referenz:

„Zweck des Kompetenzprofils ist es, eine Grundlage für die Zertifizierung von Personen zu Wissensmanagement-Professionals bzw. -Experten zu liefern.
Die Möglichkeit der Zertifizierung soll der Professionalisierung von Wissensmanagement in Organisationen dienen.“ (ebd. S. 3)

Auf den ersten Blick scheint das Kompetenzprofil Hand und Fuß zu haben. Es werden fünf Kompetenzfelder für die drei Niveaustufen Anwender, Professionals und Experten definiert und beschrieben. Je Niveaustufe werden die erforderlichen Kompezenzen, das notwendige Wissen sowie die notwendigen Fähigkeiten aufgeführt, um diese Kompetenzfelder zu beherrschen.

„Im Kontext von Wissensmanagement gibt es die folgenden fünf zentralen Kompetenzfelder:

  • Kompetenzfeld 1: Entwickeln der Wissensmanagement-Strategie
  • Kompetenzfeld 2: Einführen von Wissensmanagement
  • Kompetenzfeld 3: Betreiben von Wissensmanagement
  • Kompetenzfeld 4: Betreiben des Wissensprozesses in den Geschäftsprozessen
  • Kompetenzfeld 5: Fördern einer Wissensmanagement unterstützenden Organisationskultur“ (ebd. S. 6)

Problematisch dabei ist allerdings, dass das Kompetenzprofil auf Personen bzw. Kompetenzträger ausgelegt ist, die Wissensmanagement als Zusatzaufgabe ausführen.

„Es wird dabei davon ausgegangen, dass diese Personen Wissensmanagement als Zusatzaufgabe im Sinne einer Rolle ausführen.“ (ebd. S. 3)

Dies festigt dann eher nicht die Position derer, die hauptberuflich für Wissensmanagement verantwortlich sind, ganz zu schweigen davon, dass man damit Wissensmanagement auch wieder nur als Nebensache abstempelt, was es ja eigentlich nicht sein sollte. Es sieht so aus als ob sich das Kompetenzprofil eher an kleine und mittlere Organisationen richtet, die sich kein „richtiges“ Wissensmanagement leisten können oder wollen. Bei großen Organisationen scheint das Thema ja mittlerweile ausgereizt zu sein, die befinden sich nämlich schon bei der Baustelle „Digitale Transformation“ im Sinne der bereits jetzt vorhergesagten vierten Industriellen Revolution, aka Industrie 4.0. Vielleicht liege ich aber auch falsch und auf den „Kompetenzrahmen 1“ – so steht es im Untertitel des Kompetenzprofils – folgen noch weitere? Dann muss man allerdings darauf achten, dass das Ganze nicht zu unübersichtlich wird.

Wahrsheinlich handet es sich bei „Kompetenzrahmen 1“ aber eher um einen Schreibfehler, da die Eins doch wohl hochgestellt, als Fußnote, zu betrachten ist, was mich gleich zum zweiten Manko des Kompetenzprofils führt. Die Basis für das Profil wird aus dem Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) geschaffen, in dem das Thema Wissensmanagement ja gerne verortet wird und von dem man sich doch schon immer gerne emanzipieren möchte.

„Die Struktur orientiert sich am „European e-Competence Framework 3.0, A common European Framework for ICT Professionals in all industry sectors. CWA 16234:2014 Part 1,…“ (ebd. S. 1, FN 1)

Selbstverständlich ist das Kompetenzprofil alles andere als IKT-lastig. Dennoch, ein bitterer Beigeschmack bleibt und weist Entscheidungs- und Kompetenzträger eventuell in eben diese Richtung, wenn es darum geht Wissensmanagement zu planen und durchzuführen.

Vorausschauend hingegen scheint zu sein, dass man sich sowohl inhaltlich als auch strukturell teilweise an dem eingangs erwähnten Entwurf der Norm für Wissensmanagementsysteme (ISO/DIS 30401) orientiert, dessen Endversion ja voraussichtlich nächstes Jahr veröffentlicht werden soll. Die Einen sehen in dieser Norm nämlich eine große Chance für das Berufsfeld Wissensmanagement, die Anderen nicht oder eher das Gegenteil. Aber dies bedarf einer gesonderten Erörterung, zu einem gegebenen Zeitpunkt.

Für die Struktur des Kompetenzprofils ist natürlich auch ein Literaturverzeichnis sowie eine korrekte und stringente Zitierweise geboten, im Rahmen derer man dann nochmals die Zitate überprüft. Dazu drei Hinwese: (ebd. S. 4-6)

  • Wenn man aus einer Sekundärquelle wie dem „D-A-CH Wissensmanagement Glossar“ zitiert, so gilt es auf die darin zitierte Primärquelle zu verweisen und dabei dann ggf. mit „zitiert nach“ auf die Sekundärquelle hinzuweisen, sofern die Primärquelle nicht verfügbar ist und wenn man unbedingt darauf besteht. (Beispiele: Wissen, Wissensmanagement, Wissensmanagement-Strategie,…)
  • Zitate aus zwei verschiedenen Quellen sollte man kenntlich machen. (Beispiel: Wissensmanagement-System (WM-System))
  • Der Begriff „Wissensmanagement unterstützende Organisationskultur (WOK)“ scheint im Prinzip, lediglich leicht abgeändert, nur der ISO/DIS 30401 entnommen zu sein, die als Entwurf ja genaugenommen eigentlich noch nicht zitierfähig ist.

Wenn man nun letztendlich daran denkt um das Kompetenzprofil, das GfWM Zertifikat und den damit noch lose verbundenen Wissensmanagement Mooc (WMooc) ein Geschäftsmodell mit verpflichtenden, kostenpflichtigen Seminaren aufzubauen, was ja im Rahmen des WMooc 2017 schon angeklungen und für den WMooc 2018 angekündigt worden ist, gilt es zu berücksichtigen, dass man den Teilnehmern des WMooc 2016 bereits schon ein solches Zertifikat, lediglich gegen eine Abschlussprüfung und eine geringe Prüfungsbebühr, angeboten hat. Da dies auch angenommen wurde, sollte diese Möglichkeit weiterhin bestehen bleiben. Die Realisierung eines adäquaten Geschäftsmodells um einen solch kostengünstiges Zertifikat für potentielle sowie bereits gestandene Personen, die im Bereich Wissensmanagement tätig sein wollen bzw. tätig sind, wäre wahrscheinlich nicht allzu schwierig. (Nebenbei, der Begriff „Zertifizierungswilligen“, in der „Einführung“ des Kompetenzprofils sollte überdacht werden)


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