Rezension zu 'Schork: Integriertes Wissensmanagement in KMU'

» Eine Rezension für die XING-Gruppe 'Knowledge Management' «

Bei dem Buch von Herrn Schork handelt es sich um die Masterarbeit, die er während seines berufsbegleitenden Studiengangs im Bereich Wissensmanagement (WM) geschrieben hat. Alleine diese Tatsache verdient schon Respekt.

Herr Schork beginnt, wie bei solchen Arbeiten üblich, mit einem grundlegenden Theorieteil, in dem er ausführlich die zu untersuchenden Begrifflichkeiten erläutert sowie die Bedeutung des WM für dezentral aufgestellte kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) im Dienstleistungssektor herausarbeitet. Den Werkzeugen des WM widmet er dabei ein seperates Kapitel. Darauf aufbauend entwickelt Herr Schork einen Leitfaden zur Einführung von WM in KMU, der den Theorieteil abschließt und als Basis für den nachfolgenden Praxisteil dient. Im Praxisteil beschreibt Herr Schork am konkreten Beispiel des Unternehmens, für das er tätig ist, wie er dort die Ist-Situation bezüglich des WM analysiert hat und gibt konkrete Handlungsempfehlungen, als Grundlage zur Entwicklung, Umsetzung und Evaluierung einer integrierten WM-Lösung.

Im Theorieteil über WM werden die Begrifflichkeiten relativ standardmäßig beschreiben (Wissenstreppe nach North (2011), (organisationale) Wissensspirale nach Nonaka/Takeuchi (1997), WM-Bausteine nach Probst et al (2010)).

Sehr gut ist, dass Herr Schork, neben den Barrieren des WM (Systematik: kooperationsbedingt, technologisch, kognitiv, motivational) auch auf die Todsünden des WM nach Schneider (2001) hinweist und diese später wieder aufgreift, z.B. wenn es um die Einführung von WM geht.

Mit der Thematik, was man unter unter integriertem WM versteht (etwa: prozessorientiert, systemisch, ganzheitlich, sozio-technisch, vertikal/horizontal, etc.), hätte sich Herr Schork etwas ausführlicher auseinandersetzten sollen. Die Abgrenzungssystematik normatives, strategisches und operatives WM nach Probst et al (2010), in Anlehnung an das integrierte Management von Bleicher (1994), auf die sich Herr Schork zuvor bei der Erläuterung von WM allgemein bezieht, gehört hierzu.

Dass Herr Schork den Werkzeugen des WM ein eigenes Kapitel widmet und dabei auf die über 90 Werkzeuge von Armutat et al (2002) zurückgreift ist auf den ersten Blick sehr hilfreich. Die Werkzeuge bieten konkrete Ansatzpunkte für die Praxis und zeigen auf, wie vielfältig das Thema WM eigentlich ist und angegangen werden kann. In den tabellarischen Übersichten, die Herr Schork von Armutat et al (2002) eingeschränkt übernimmt (69 Werkzeuge), weden die Werkzeuge hinsichtlich ihrer Abhängigkeit von WMrelevanten Kulturfaktoren bewertet und bezüglich ihrer Bedeutung für die sozio-technischen Veränderungbereiche Mensch, Organisation und Technik gewichtet. Darauf wird im Weiteren allerdings nicht wirklich weiter eingegangen, auch nicht bei Armutat et al (2002), falls Sie dort nachschlagen möchten. Zusätzlich kategorisieren Armutat et al (2000) die Werkzeuge nach Einsatzmöglichkeiten, ähnlich wie Probst et al (2010) ihre WM-Bausteine, die Herr Schork zuvor schon kurz beschrieben hat. Wegen dieser ähnlichen aber dennoch unterschiedlichen Kategorisierung wirkt das Kapitel der Werkzeuge etwas entkoppelt und ist für den ein oder anderen unbedarften Leser eventuell etwas verwirrend – insbesondere weil der WM-Baustein „Wissen bewerten“ als „Wissensbewertung“ beim Einsatzgebiet „Wissenidentifizierung“ als Werkzeug gelistet wird, obgleich Probst et al (2010) zwischen Wissen „identifizieren“ und „bewerten“ als Einsatzgebiet bzw. Baustein unterscheiden. Aus den tabellarischen Übersichten beschreibt Herr Schork nur einige Wenige der aufgeführten Werkzeuge, was natürlich bei einer solchen Anzahl nur verständlich ist. Dennoch wäre es geboten gewesen, zumindest kurz darauf hinzuweisen, warum gerade diese Werkzeuge ausgewählt wurden. Sie werden sicherlich als besonders geeignet für die Arbeit betrachtet, oder? Aber in Bezug auf was konkret? KMU, den Dienstleistungssektor, dezentrale Strukturen, Herrn Schorks Unternehmen…? Hinzu kommt, dass Herr Schork zwei Werkzeuge beschreibt, die nicht bei Armutat et al aufgeführt sind (Wissensmanager, Wiki), diese aber auch nicht in den tabellarischen Übersichten bewertet und gewichtet.

Bevor Herr Schork seinen Leitfaden zur Einführung von WM in KMU präsentiert, führt er kurz aber überaus zeilführend zur Thematik des WM in KMU mit dezentralen Strukturen im Dienstleistungssektor hin. Beim Leitfaden, der den Projektschritten Initiieren, Analyse, Entwicklung, Implementierung und Evaluierung nach Allan, N. et al. (2004) folgt, erläutert Herr Schork das Analyseinstrument „WM-Assessment“ von Sammer (2001) sehr ausführlich (Anm.: Das Instrument ist auch online, unter dem Namen KnowledgeCheck, frei zur webbasierten Anwendung verfügbar.). Wenn auch der Leitfaden sonst ein ordentliches Bild abgibt, so ist die Verwendung des WM-Assessment bezüglich seiner theoretischen Grundlagen im Gesamtkontext der Arbeit problematisch und wiederum wahrscheinlich eher verwirrend, für den unbedarften Leser. Das WM-Assessment basiert nämlich auf dem Modell der Ebenen des WM nach Sammer (2001), auf das Herr Schork auch hinweist, wobei er die Vielzahl von WM-Modellen nicht unerwähnt lässt. Denn mit diesen Ebenen bietet auch er dem Leser ein weiteres dieser Modelle. Konsistenter wäre, wenn Herr Schork die Eingangs beschriebenen Bausteine des WM im Zusammenhang mit den entsprechenden Leitfragen, die Probst et al (2010) für jeden dieser Bausteine bieten, benutzen würde oder anstatt den Bausteinen des WM nach Probst et al (2010) als zentrales Modell die Ebenen des WM nach Sammer (2001) beschreiben würde. Letzteres würde aber dann gar nicht mehr zum Kapitel der Barrieren des WM passen und würde darüber hinaus auch mit dem Modell der Wissensspirale nach Nonaka/Takeuchi (1997) kollidieren, weil ihm andere Annahmen über die Wissensschaffung zu Grunde liegen (s. „Modell der Wissensinduktion“ nach Sammer (2000: 73ff)).

Im Praxisteil stellt Herr Schork das Unternehmen, für das er tätig ist, bezüglich seiner Dienstleistungen und dezentralen Aufstellung adäquat dar. Hinsichtlich des im Unternehmen vorhandenen WM bezieht sich Herr Schork bei der Ist-Analyse unter anderem auf die Fakten einer Mitarbeiterbefragung, die alle zwei Jahre durchgeführt wird, bevor er kurz die im Einsatz befindenden Wekzeuge des WM skizziert. Diese gliedert er konsistent nach den zuvor aufgeführten „Wissensaktivitäten“ nach Armutat et al (2001). Die Auswertung einer Umfrage zum WM, die er selbst im Unternehmen durchgeführt hat, beschreibt er anschließend detailliert und liefert, daraus abgeleitet, keine spektakulären aber sehr plausible und praktikable Möglichkeiten zur Entwicklung einer integrierten WMlösung für das Unternehmen. Kurz gibt er auch Empfehlungen für die Umsetzung/Implementierung und Evaluierung der WMlösung.

Der standardisierte Fragebogen für die Umfrage basiert auf dem „Knowledge Quick Scan“ nach Allan et al (2004), den Herr Schork zuvor, im Leitfaden zur Einführung von WM in KMU, neben der ausführlichen Beschreibung von Sammers WM-Assessment, nur kurz skizziert hat. Entgegen allen Erwartungen verwendet er das WM-Assessment aber nicht bei der Analyse, jedenfalls weist er nirgends darauf hin. Die Auswertung der Umfrage ist etwas mühselig zu lesen, da sich die Fragen, die Herr Schork auswertet, nur im sechsseitigen Fragebogen, im Anhang des Buches, befinden. Im Text wird nur die Nummer der auszuwertenden Frage genannt, was ständiges Blättern bedeutet. Den Fragebogen kopieren und beim Lesen der Auswertung neben das Buch legen, ist hier eine Lösung. Bezüglich der Wissensaktivitäten bzw. Einsatzgebiete des WM sind auch wieder die Gliederung der auszuwertenden Fragen sowie die der Möglichkeiten für die Entwicklung einer WMlösung inkonsistent gegenüber vorher, da sich Herr Schork dabei am „Knowledge Quick Scan“ und seinen WM-Kernaktivitäten orientiert.

Fazit: Aufgrund der Inkonsistzenz bei der Kategorisierung der Wissensaktivitäten bzw. Einsatzgebiete des WM wirkt die Arbeit nicht so rund. Grund hierfür ist, dass Herr Schork verschiedenen Modelle, Konzepte und Methoden beim Aufbau der Arbeit nicht angemessen aufeinander abstimmt (aber das kommt ja nicht nur in Studienarbeiten vor). Auf der anderen Seite können diese verschiedenen Modelle, Konzepte und Methoden dem Leser als Impulsgeber dienen.

// Generell wünsche ich mir für eine theoretische Hinführung zum Thema WM, dass man, anstatt induktiv, deduktiv vorgeht, d.h. zuerst das große Ganze vorstellt und dann auf die Einzelteile eingeht, damit man den Wald auch vor lauter Bäumen noch sieht und sich darin nicht so schnell verliert. //

Der standardmäßige Theorieteil von Herrn Schorks Arbeit wird durch die tabellarischen Übersichten der Werkzeuge des WM bereichert. Der Praxisteil ist natürlich sehr spezifisch auf das Unternehmen, in dem Herr Schork tätig ist, ausgelegt, zeigt aber dennoch am Beispiel ganz gut, wie zumindest die Analyse durchgeführt werden kann. Davon abgesehen wird gezeigt, dass WM kein Hexenwerk sein muss. Manchmal bewirkt schon alleine ein onlinefähiges Mobiltelefon Wunder.

Interessant wäre zu erfahren, ob und wie die Empfehlungen aus Herrn Schorks Arbeit umgesetzt wurden.


Referenz:

Carsten Schork: Integriertes Wissensmanagement in Klein- und Mittelständischen Unternehmen (KMU) aus dem Dienstleistungssektor mit dezentralen Strukturen. WiKu-Verlag, 2011. 160 S., ISBN-10: 3865533841, ISBN-13: 978-3865533845, google.Bücher: http://books.google.com/books?id=91_gZwEACAAJ


Quellen:

  • Allan, N. et al. (2004): Europäischer Leitfaden zur erfolgreichen Praxis im Wissensmanagement. Brüssel: Comité Européen de Normalisation (CWA 14924), 2004. (abgerufen am: 26.02.2014)
  • Armutat, S. et al. (2002): Wissensmanagement erfolgreich einführen: Strategien – Instrumente – Praxisbeispiele. Bielefeld: Bertelsmann (PraxisEdition 66), 2002.
  • Bleicher, K. (1994): Integriertes Management. in: Gabler (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon. 4. Band. 13. Vollst. Überarb. Aufl., Wiesbaden: Gabler, 1994: 1646-1648.
  • Nonaka, I.; Takeuchi, H. (1997): Die Organisation des Wissens. Wie japanische Unternehmen eine brachliegende Ressource nutzbar machen. Frankfurt/Main, New York: Campus, 1997.
  • North, K. (2011): Wissensorientierte Unternehmensführung: Wertschöpfung durch Wissen. Wiesbaden: Gabler Verlag, 5., akt. und erw. Aufl. 2011.
  • Probst, G. J. B. et al. (2010): Wissen managen. Wie Unternehmen ihre wertvollste Ressource optimal nutzen. Wiesbaden: Gabler Verlag, 6., überarb. u. erw. Aufl. 2010.
  • Sammer, M (2000).: Vernetzung von Wissen in Organisationen. Gestaltung von Rahmenbedingungen. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag (Techno-ökonomische Forschung und Praxis), 2000.
  • Sammer, M. (2001): Wie die Organisation aus der Wissensperspektive analysiert wird. io new management, 10/2001: 14-20. (abgerufen am: 24.08.2012)
  • Sammer, M. (2012): KnowledgeCheck (abgerufen am: 24.08.2012)
  • Schneider, U. (2001): Die sieben Todsünden im Wissensmanagement. Kardinaltugenden für die Wissensökonomie. Frankfurt: FAZ Verlag (Unternehmensführung), 2001.

Hinweis:

Auf alle Rezensionen, die bisher im Literaturforum der XING-Gruppe KM veröffentlicht worden sind, können Sie von der Übersichtseite im Wiki der Gruppe zugreifen.

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