Wissensmanagement in D-A-CH aktuell

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In dieser Rubrik wird zukünftig über Wissenswertes aus dem Bereich Wissensmanagement im deutschen Sprachraum berichtet. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den diversen Wissensmanagement-Vereinen, Verbänden & Gemeinschaften, von denen es im deutschen Sprachraum eine Menge gibt.

Dieses Mal erfahren Sie etwas über die Neugründung des Bundesverbandes Wissensbilanzierung e.V., die Auszeichnung der Exzellenten Wissensorganisation 2012, gfwm THEMEN – die neue Fachpublikation der Gesellschaft für Wissensmanagement e.V. – und über die verstärkten virtuellen Aktivitäten der österreichischen Plattform Wissensmanagement.

Bundesverband Wissensbilanzierung gegründet

Fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit (des Wissensmanagements) wurde am vergangenen Freitag der Bundesverband Wissensbilanzierung e.V. (BVWB) gegründet. Dieser Verband, der sich, wie der Name schon sagt, dem Thema Wissensbilanzierung widmet, geht aus dem Projekt „Wissensbilanz – Made in Germany“ hervor, das bislang durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) im Rahmen der Initiative „Fit für den Wissenswettbewerb“ gefördert wurde. Da vergangenes Jahr die Initiative eingestellt wurde, hat man sich, nach einem wohl erfolgreichen Abschlusskongress des Projekts, unter Federführung des Fraunhofer IPK 'Kompetenzzentrum Wissensmanagement', zur Gründung des Verbandes entschlossen, um „dafür zu sorgen, die Methode „Wissensbilanz – Made in Germany“ als anerkanntes Managementinstrument für den deutschen Mittelstand dauerhaft zu etablieren.“ (s. WissensWert, Ausgabe 14 | August 2011).

„Ziel des Bundesverbandes Wissensbilanzierung ist es, die Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch der Mitglieder und Interessierten zu fördern sowie praxisnah über die Wissensbilanz zu informieren und zu beraten. Neben der Zusammenarbeit mit Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen, wird der Verband Interessen der Wissensbilanz Community gegenüber der Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit vertreten…“
„Neben den Weiterbildungs- und Schulungsprogrammen werden die Mitglieder bei der Durchführung der Methode unterstützt. Experten für alle Themen rund um die Wissensbilanzierung werden für Fragen der Mitglieder zur Verfügung stehen. Im Rahmen seiner Aktivitäten wird der Verein regionale und branchenspezifische Veranstaltungen, Diskussionsrunden und Tagungen durchführen. Der Verband unterstützt neben der Durchführung von Veranstaltungen die Mitglieder bei der Akquise potentieller Kunden durch eine einheitliche Öffentlichkeitsarbeit. Gleichzeitig haben die Mitglieder jederzeit Zugriff auf alle aktuellen Informationen und Materialien.“
(BVWB)

Einige Stimmen im Vorfeld:

„Spannend bleibt dabei, wer sich in dem neuen Verband einfinden wird. Sind es die Moderatoren, die trotz der geplanten Gründung eines Bundesverbandes schon im letzten Jahr jetzt mit der Ankündigung im öffentlichen Newsletter überrascht wurden, sind es Unternehmen und Anwender oder andere Institutionen und Verbände.“ (S. Rehm, 29.02.2012)

„Es ist gut, dass nach Ablauf der Förderung des Projekts Wissensbilanz – Made in Germany nachhaltige Strukturen entwickelt werden. Ich frage mich nur, warum alles immer so kurtzfristig terminiert wird, immerhin war die Gründung eines Bundesverbandes schon im letzten Jahr geplant. Auf verschiedene Nachfragen, hatte ich allerdings bis Ende 2011 keine Antworten erhalten – seltsam.“ (R. Freund, 08.03.2012)

Die Fragen der beiden Herren sind sicherlich berechtigt. Warum gerade jetzt und so kurzfristig? Wer wird als zahlendes Mitglied den BVWB unterstützen? Um diese Fragen zu beantworten, kann man natürlich nur Vermutungen aufstellen und Prognosen abgeben, die ich mir jetzt an dieser Stelle aber erspare.

'Exzellente Wissensorganisation 2012' gekürt

Unter Beteiligung der Kongressteilnehmer und einer Expertenjury wurde am vergangenen Donnerstag die Auszeichnung 'Exzellente Wissensorganisation 2012' beim gleichnamigen Kongress in Berlin verliehen. Dabei hat die Infomotion GmbH die SMA Solar Technology AG und die österreichische voestalpine Stahl Donawitz GmbH & Co. KG auf die Plätze verwiesen. Dennoch dürfen sich alle drei stolz mit der Auszeichnung 'Exzellente Wissensorganisation 2012' schmücken. Den dahinterliegenden Wettbewerbsfinalisten (AEB GmbH, dsn, Freie Waldorfschule Minden e.V., HMS Analytical Software GmbH), bleibt der Titel 'Finalist Exzellente Wissensorganisation 2012', welcher, nach Aussage des Veranstalters, eine fortgeschrittene Wissensorganisation auszeichnet (s. Stimmen zum Kongress). Der Kongress und sein Format kam anscheinend bei allen Beteiligten sehr gut an.

Wettbewerbsteilnehmer:

„Danke für die tolle Organisation auf dem EWO-Kongress. Mir hat die Veranstaltung viel Spaß gemacht.“ (Julia Endt, SMA Solar Technology GmbH am 14.05.2012)

„Wir sind sehr stolz auf unseren Erfolg!“ (Ralf Duckert, dsn am 11.05.2012)

Kongressteilnehmer:

„Als ich [Steffen Doberstein] morgens auf der EWO ankam, konnte ich auf die Frage, ob ich den ganzen Tag bleiben werde noch keine klare Antwort geben, doch dann nahm mich die Veranstaltung so gefangen, dass ich bis zur “Finalistenparty” am Ende des Tages blieb.“ (Steffen Doberstein, Community of Knowledge am 15.05.2012)

„Die Finalisten präsentierten sich mit sehr interessanten Beiträgen. Beiträge von Unternehmen, die im Umgang mit Wissen ganzheitlich denken und ihr Wissen intelligent organisieren. Das Format, bei dem die Bewertung der Kongress-Teilnehmer mit der Bewertung der Expertenjury gemittelt wird, hat mir gefallen. Interessanterweise gingen die Meinungen der Teilnehmer und die der Jury an einigen Stellen weit auseinander. Die Sieger haben jedenfalls verdient gewonnen und ich denke, dass der EWO-Kongress für alle ein lohnender Tag war.“ (Ira Meichsner, Kooperationspartnerin der KMA Knowledge Management Associates am 21.05.2012 per eMail)

Partner:

„Aus meiner Sicht eine gelunge Veranstaltung.“ (Stefan Ehrlich, Knowledge Research Center e.V. / T-Systems Multimedia Solutions GmbH am 13.05.2012)

Veranstalter:

„Wie war EWO 2012? Super!
Das Format funktioniert, die Finalisten waren durchweg richtig gut und man unterscheidet am Ende zwischen einer „fortgeschrittenen“ und „exzellenten“ Wissensorganisation. D.h., die Messlatte liegt extrem hoch – was wir auch wollen. Ich bin von allen Finalisten sehr angetan. Die Ziele Lernen, Vernetzen, Auszeichnen wurden für alle Beteiligte erreicht.
Die Expertenjury hat eine tolle und gewissenhafte Arbeit abgeliefert und ist somit ihrem Namen hinreichend gerecht geworden. Die Beteiligungsorientierung mit Abstimmung durch die Teilnehmer ist gut, aber auch schwierig. Zitat: Ich bin Laie, wenn es um die Beurteilung komplexer Systeme geht und kann daher diese Bewertungen nicht abgeben. Hier müssen wir sicherlich noch ein wenig nachschärfen.
Mein Fazit: EWO macht Sinn, Spaß und sollte verstetigt werden.“
(Christian Keller, ck2 – Beratung für Wissensmanagement am 15.05.2012 per eMail)

Als Ünterstützer dieses beteiligungsorientierten Wettbewerbs freut sich die XING-Gruppe KM natürlich besonders über diese Resonanz. Und wenn am Wettbewerbsformat an der ein oder anderen Stelle noch „nachgeschärft“ wird, wie sich Herr Keller so schön ausdrückt, dann wird die 'Exzellente Wissensorganisation' sicherlich eine Auszeichnung, für die man sich gerne bewirbt und auf die man, wie auch jetzt schon, stolz ist.

Neue Fachpublikation: gfwm THEMEN

Schon gegen Ende des letzten Jahres wurde die erste Ausgabe von gfwm THEMEN – eine Fachpublikation der Gesellschaft für Wissensmanagement e.V. – mit fünf Artikeln und einem Interview veröffentlicht. Seit April liegt nun die zweite Ausgabe vor, in der Sie vier umfassende Artikel und eine Nachlese zu einem Artikel aus der ersten Ausgabe erwarten.

„GfWM THEMEN veröffentlicht fachliche Artikel, hochwertige Praxisbeiträge, fundierte Aussagen, Erfahrungen und Meinungen von Experten und Praktikern mit Blick veröffentlicht auf den Bereich Informations- und Wissensmanagement. Dabei steht die ganzheitliche Sicht auf die Dimensionen Mensch, Organisation und Infrastruktur im Vordergrund.
Unser Ziel: eine seriöse und hochwertige Publikation, die den inhaltlichen, fachlichen Austausch zwischen der GfWM, ihren Teilnehmern und der Öffentlichkeit unterstützt sowie Perspektiven für alle Beteiligten aufzeigt.“
(GfWM)

Die Beiträge in den gfwm THEMEN sind wirklich nicht schlecht und zwei Artikel habe ich sogar ganz gelesen:

  • Dr. Angelika Mittelmann: Systematischer Wissenstransfer – eine betriebliche Notwendigkeit, gfwm THEMEN 1/2011
  • Ulrich Schmidt: Essay über die Instrumente für das Management im 21. Jahrhundert – Was zeichnet sie aus und was hat das mit Wissensmanagement zu tun?, gfwm THEMEN 2/2011

Die Beschreibung der gfwm THEMEN mit ihren Zielen (s.o.) sollte nochmal nachgebessert werden, die ist etwas unglücklich formuliert. Vielleicht orientiert man sich dabei am besten am Vorwort zur ersten Ausgabe?

Das Ziel einer „seriösen“ Publikation impliziert bei mir, dass es auch unseriöse Publikationen im Bereich Wissensmanagement gibt. Wo? Ich hoffe, die Damen und Herren der GfWM haben bei dieser Formulierung nicht an den DACH KM Newsletter gedacht? ;-)

Beim Ziel, den „Austausch“ zu unterstützen, besteht erhebliches Verbesserungspotential, welches auch GfWM-Beirat Dr. Jochen Robes schon am 15.12.2011 und wieder am 24.04.2012 bemerkt. Das Publikationsformat PDF ist wenig geeignet um den fachlichen und inhaltlichen „Austausch zwischen der GfWM, ihren Teilnehmern und der Öffentlichkeit“ zu unterstützen. Die Möglickeit den Beitrag, direkt aus dem PDF-Dokument heraus, per Mail an Autor und Redaktion zu kommentieren, welche seit der zweiten Ausgabe angeboten wird, ist dabei sicherlich eine Verbesserung aber sie fördert eben nicht den offenen und öffentlichkeitswirksamen Austausch zwischen den Teilnehmern und die Diskussion in der Öffentlichkeit.

Hinzu kommt die überaus unangemessene und absolut benutzerunfreundlich gestaltete Seite für die gfwm THEMEN und den gfwm newsletter auf der Homepage der GfWM, von der aus man im Übrigen nicht mehr auf die erste Ausgabe der gfwm THEMEN zugreifen kann.

Und gerade wo ich das schreibe frage ich mich, wie ich denn nun den Titel der Fachpublikation schreiben soll – gfwm THEMEN oder GfWM THEMEN. Aber das nur nebenbei, denn ich möchte abschließend noch einmal auf das Ziel „seriöse Publikation“ zurückkommem.

Im Vorwort der zweiten Ausgabe wird über den „erfolgreichen Start der GfWM THEMEN“ berichtet und dabei auf lediglich drei Meldungen darüber verwiesen. Die schon erwähnten kritischen Beiträge von Herrn Robes fehlen. Und viel mehr Meldungen zum Publikationsstart habe ich auch nicht gefunden. Sie? Interessant bei den drei Meldungen ist, dass sie anscheinend auf Gegenseitigkeit beruhen, d.h. auf Initiative der GfWM nach dem Prinzip „Gibst du mir, so gebe ich dir“ lanciert wurden. Erläuterungen dazu erspare ich mir auch hier.

Mein Fazit: Gute Beiträge, aber das ist dann auch schon alles was an den gfwm THEMEN gut ist. Gute Beiträge findet man allerdings auch anderswo…

Plattform Wissensmanagement

Unsere Nachbarn von der österreichischen Plattform Wissensmanagement sind neben ihren regelmäßigen Aktivitäten vor Ort (PWM-Community-Treffen und -Jahrestreffen) nun auch seit einiger Zeit wieder verstärkt virtuell aktiv.

Die XING-Gruppe der PWM hat vor Kurzem die 500-Mitgliedergrenze überschritten, der PWM-Newsletter wurde reaktiviert und auf dem PWM-Community-Portal wird fleißig auf externe Beiträge aus dem Bereich Wissensmanagement verwiesen. Sehr schön! Daneben wird regelmäßig zu virtuellen Diskussionsrunden eingeladen, bei denen man sich auch kurz – über twitter – beteiligen kann. Tun Sie das doch auch, mit einem netten „Servus!“ oder „Hoi!“.

Bisherige Diskussionsrunden:

  • Runde 8: Wie sind Sie zum Wissensmanager geworden?
  • Runde 7: Wissensmanagement + mobile
  • Runde 6: Wissensmanagement + Events
  • Runde 5: Wissensmanagement + Ausbildung
  • Runde 4: Wissensmanagement + ICH
  • Runde 3: Wissensmanagement – Ihre Zukunftsvision?
  • Runde 2: Kreativität + Wissensmanagement: Passt das zusammen?
  • Runde 1: Haben wir überhaupt noch Zeit für die Wissensteilung?

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