Erfolgsfaktoren für Soziale Software: Unternehmen – Gruppe – Mitarbeiter

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Rezension zu Günthers „Wissensmanagement 2.0“

Herr Günther, Projektleiter beim Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und freiberuflicher Lehrbeauftragter an der Leibniz Universität Hannover, bietet mit „Wissensmanagement 2.0 – Erfolgsfaktoren für das Wissensmanagement mit Social Software.“ zwar keine repräsentative und verzerrungsfreie Trendstudie, dafür aber eine überaus gelungene Analyse der Faktoren, die den Erfolg von Wissensmanagement mit Sozialer Software beeinflussen.

Herr Günthers Beitrag lässt sich grob in drei Teile gliedern: Einführung in die Thematik (S. 15-47) – Darstellung und Analyse von Umfrageergebnissen (S. 48-90) – Umsetungsvorschlag für Soziale Software, unter Berücksichtigung der Analyse der Umfrageergebnisse (S. 91-99). Vom Umfang und Inhalt scheint dabei der letzte Teil, die Umsetzung, etwas zu kurz geraten.

Neben vielseitigen Potentialen und Grenzen bzw. Herausforderungen Sozialer Software für das Wissensmanagement in Unternehmen (S. 25-32), beschreibt Herr Günther in der Themeneinführung zunächst die verschiedenen Anwendungen, die man als Soziale Software, ein „Teilbereich des sog. Web 2.0“ (S. 16), bezeichnen kann (S. 18-24). Bei der Klassifizierung der Anwendungen Sozialer Software orientiert er sich am Klassifikationschema von Hippner (2006), der Soziale Software in Anwendungen mit Fokus „Information“, „Beziehung“ und „Kommunikation“ einteilt. Hier hätte man vielleicht noch auf andere mögliche Klassifikatiosschemata hinweisen und erläutern können, warum man sich gerade für dieses entschieden hat. In diesem Zusammenhang wäre es auch angebracht gewesen näher auf die Abgrenzungsproblematik bei Sozialer Software einzugehen und zu erklären, warum man gerade die beschreibenen Anwendungen ausgewählt hat (s. z.B. die 'Matrix zur Einordnung von Social Software Instrumenten' von Goertz / Heddergott (2006) als Alternative). In der Abb. des Klassifikationsschemas stören auch einige terminologische Unfeinheiten – Produkt „twitter“ = Anwendungstyp „Microblog“, Aktivitäten „Private Networking“ und „Business Networking“ als Anwendungstyp „Social Networks (private, business)“ evt. zusammenfassen. Im Rahmen der Diskussion von „Special Interest Communities“ könnte ein zentrales Konzept des Wissensmanagements, das der „(Online) Community of Practice“, zumindest erwähnt werden.

Als abschließenden Bestandteil der Einführung beschreibt Herr Günther die „sozialstrukturellen Faktoren“ (S. 38), welche die Einführung und Nutzung Sozialer Software beeinflussen (S. 33-47). Technische Einflußfaktoren klammert er dabei bewußt aus (S. 38). Die sozialstrukturellen Einflussfaktoren ordnet Herr Günther den drei Systemebenen „Unternehmen“, (formelle und informelle) „Gruppe“ und „Mitarbeiter“ zu und untersucht sie und ihre Zusammenhänge „unter besonderer Berücksichtigung eines motivationsorientierten Wissensaustauschs mit Social Software“ (S. 38). Die Beschreibung dieser zusammenhängenden Faktoren ist ihm sehr gut gelungen. Dem ein oder anderen Erfahrenen im Bereich Wissensmanagement liefert sie sicherlich auch noch neue Erkenntnisse.

Bei der Analyse der Umfrageergebnisse spielt die Quantität (Nutzungshäufigkeit) und Qualität (Art der Nutzung) Sozialer Software eine zentrale Rolle. Die Faktoren für eine erfolgreiche Einführung und nachhaltige Nutzung Sozialer Software werden entsprechend der Themeneinführung, unter Berücksichtigung der drei Systemebenen „Unternehmen“, „Gruppe“ und „Mitarbeiter“, hinsichtlich möglicher Verbesserungspotentiale untersucht.

Die Umfrage ist mit 97 Teilnehmern, wie gesagt, nicht repräsentativ und aller Wahrscheinlichkeit nach verzerrt (themenaffine Teilnehmer überwiegen), was Herr Günther aber von vornherein klarstellt. Einige Umfrageergebnisse sind nicht überraschend, andere aber schon. Passive statt aktive Beteiligung an Sozialer Software überwiegt (z.B. lesen anstatt schreiben oder diskutieren). Zeit, Konkurrenz, oder Angst vor Fehlern sind keine Faktoren, welche die Nutzung Sozialer Software bestimmen, pro-soziales Verhalten, Einbeziehung, Zusammenhalt, Einbindung und Anerkennung, hingegen schon.

Der zum Schluß von Herrn Günther beschriebene Umsetzungsvorschlag, die „Vorgehensweise zur Einführung von Social Software“ (S. 91ff), basiert auf einem klassischen Phasenmodell des Softwareengineerings – Strategie, Analyse, Konzeption, Realisierung, Einführung. Er ist recht kurz gehalten, nicht so gut ausgearbeitet und geht leider nicht auf alle Teilschritte des Phasenmodells ein („Schulungskonzept“, „Evaluierung“). Andererseits werden hier doch noch technische Erfolgsfaktoren bzw. Aspekte Sozialer Software als relevanter Bereich der Konzeptionsphase genannt (S. 96-97).


Referenz:

Jochen Günther: Wissensmanagement 2.0 – Erfolgsfaktoren für das Wissensmanagement mit Social Software. Eine empirische Studie zu organisatorischen und motivationalen Erfolgsfaktoren für den Einsatz von Social Software in Unternehmen. Stuttgart: Fraunhofer Verlag, 2010, 110 S., ISBN 978-3-8396-0090-0, google.bücher: http://books.google.com/books?id=jvBdRwAACAAJ


Quellen:


Hinweis:

Auf alle Rezensionen, die bisher im Literaturforum der XING-Gruppe KM veröffentlicht worden sind, können Sie von der Übersichtseite im Wiki der Gruppe zugreifen.

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